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Franchise in der Schweiz erklärt: Funktion, Regeln und praktische Folgen

Die Franchise bestimmt, wie viel Sie selbst tragen, bevor die Krankenkasse zahlt. Dieser Ratgeber erklärt Funktion, Auswahlkriterien und typische Folgen für Prämien und Kosten.

Viele Versicherte kennen das Wort Franchise, sind sich aber unsicher, wie die ausgewählte Franchise ihre tatsächlichen Kosten beeinflusst. Hier erfahren Sie in klarer, praktischer Form, wie die Franchise in der Schweiz funktioniert, welche Regeln zu beachten sind und wie Sie eine passende Wahl treffen können.

Was ist die Franchise und wieso ist sie wichtig?

Die Franchise ist der jährliche Selbstbehalt, den Sie zuerst zahlen müssen, bevor die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) Kosten übernimmt. Sie ist ein zentrales Steuerungsinstrument: Durch die Wahl der Franchise beeinflussen Sie gleichzeitig Ihre monatliche Prämie und Ihr finanzielles Risiko bei Krankheitsfällen.

Wie funktioniert die Franchise konkret?

Auswahl und Berechnung

  • Versicherte können in der Regel zwischen mehreren Franchise-Stufen wählen. Wer eine höhere Franchise wählt, bezahlt niedrigere Prämien.
  • Die Franchise gilt pro Kalenderjahr. Nur wenn Ihre Arzt- oder Spitalkosten die Franchise übersteigen, übernimmt die Versicherung die weiteren gedeckten Kosten (nach Abzug der Franchise und allfälliger Franchise-bedingter Anteile wie Selbstbehalte).
  • Nach Erreichen der Franchise greift meist noch ein prozentualer Selbstbehalt (z. B. ein bestimmter Prozentsatz für die darüber hinausgehenden Kosten) bis zu einer jährlichen Höchstgrenze. Genaues regelt Ihr Versicherungsvertrag.

Was zählt zur Franchise?

Zur Franchise zählen meist Kosten für:

  • ärztliche Behandlungen und Konsultationen im Rahmen der OKP,
  • verordnete Medikamente, soweit von der OKP gedeckt,
  • ambulante und stationäre Leistungen im Geltungsbereich der obligatorischen Versicherung.

Leistungen, die nicht durch die OKP gedeckt sind oder durch Zusatzversicherungen übernommen werden, werden separat behandelt.

Wichtige Regeln und praktische Hinweise

  • Jährlicher Bezug: Die Franchise gilt pro Jahr; es beginnt ein neuer Betrag mit dem Jahreswechsel.
  • Wechsel der Franchise: In der Regel können Sie die Franchise einmal jährlich wechseln. Prüfen Sie die Fristen in Ihrem Versicherungsvertrag und informieren Sie frühzeitig die Krankenkasse.
  • Kein doppelter Abzug: Kosten werden nicht mehrfach für verschiedene Versicherungen auf dieselbe Franchise angerechnet; Zusatzversicherungen können andere Regelungen haben.
  • Notfälle: Bei akuten Notfällen werden Leistungen in der Regel erbracht; die Anwendung der Franchise bleibt bestehen, sodass die Abrechnung im Nachgang erfolgt.
  • Familienregelungen: Für Kinder existieren oft eigene Franchise- oder Prämienregelungen; diese variieren je nach Versicherer.

Beträge, Fristen und Finanzielle Praxis

Die konkrete Höhe der verfügbaren Franchise-Stufen und die Prämienersparnis variieren zwischen Versicherern und Altersgruppen. Eine allgemeine Faustregel hilft bei der Entscheidung:

  • Wer selten medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, kann mit einer höheren Franchise deutlich Prämien sparen.
  • Bei regelmässigen Behandlungen, chronischen Krankheiten oder laufenden Medikamentenkosten ist eine niedrigere Franchise oft wirtschaftlicher.

Weil exakte Beträge kantonal und versicherungsspezifisch variieren, lohnt sich ein Vergleichsrechner oder die direkte Anfrage bei Ihrer Krankenkasse. Achten Sie auf folgende Punkte:

  1. Wie hoch ist die Prämienersparnis zwischen zwei Franchise-Stufen?
  2. Welche durchschnittlichen jährlichen Gesundheitskosten erwarten Sie (Arzt, Medikamente, Spitalaufenthalte)?
  3. Sind Zusatzversicherungen vorhanden, die Teile der Kosten übernehmen?

Beispiele: Wie sich die Wahl auswirkt

Die folgenden vereinfachten Beispiele zeigen typische Konstellationen. Sie dienen nur der Veranschaulichung; prüfen Sie Ihre eigenen Zahlen.

Beispiel 1 – Gesunde Person

Eine Person ohne regelmässige Behandlungen zahlt selten Rechnungshöhen, die eine hohe Franchise überschreiten. Durch eine höhere Franchise sinkt die Prämie deutlich – insgesamt sinken die jährlichen Ausgaben.

Beispiel 2 – Person mit chronischer Erkrankung

Wer monatliche Arzt- und Medikamentenkosten hat, erreicht die Franchise rasch. Eine niedrigere Franchise amortisiert sich durch geringere jährliche Selbstbehalte und oft tiefere Gesamtbelastung trotz höherer Prämien.

Beispiel 3 – Unvorhergesehener Spitalaustritt

Bei plötzlichen, hohen Kosten kann eine hohe Franchise dazu führen, dass Sie in einem Jahr deutlich höhere Selbstbehalte tragen müssen. Eine tiefer angesetzte Franchise minimiert dieses Risiko.

Spezielle Situationen und nützliche Hinweise

  • Kinder und Familien: Prüfen Sie Familientarife und Kinderregelungen; oft gibt es für Kinder eigene Franchisen oder günstigere Prämien.
  • Wechsel der Police: Beim Arbeitgeberwechsel oder Umzug informieren Sie die AHV-Zweigstelle und melden Sie Änderungen rechtzeitig Ihrer Krankenkasse.
  • EL und Ergänzungsleistungen: Personen mit tiefem Einkommen können Anspruch auf Ergänzungsleistungen oder Prämienverbilligung haben; wenden Sie sich an die zuständige EL-Stelle oder kantonale Ausgleichskasse. Für die Krankenversicherungskosten im EL-Kontext hilft auch der Beitrag Ergänzungsleistungen und Krankenkasse: Welche Kosten berücksichtigt werden.

Tipps zur Entscheidung: Franchise wählen oder nicht?

Folgende Schritte helfen bei der Wahl:

  1. Schätzen Sie Ihre erwarteten jährlichen Gesundheitskosten realistisch ein.
  2. Vergleichen Sie die Prämienersparnis zwischen den Franchise-Stufen Ihrer Krankenkasse.
  3. Rechnen Sie, ab welchem Punkt höhere Selbstbehalte die Prämienersparnis übersteigen.
  4. Berücksichtigen Sie finanzielle Rücklagen für den Worst-Case (z. B. plötzlicher Spitalaufenthalt).
  5. Wenn nötig, holen Sie eine individuelle Beratung bei Ihrer Krankenkasse oder einer unabhängigen Stelle ein.

Praktische nächste Schritte

Wenn Sie jetzt handeln möchten, gehen Sie so vor:

  • Notieren Sie Ihre durchschnittlichen jährlichen Arzt- und Medikamentenkosten der letzten 1–2 Jahre.
  • Berechnen Sie mit einem Prämienvergleich (online oder bei der Kasse) die Ersparnis zwischen den möglichen Franchisen.
  • Prüfen Sie Ihre finanzielle Belastbarkeit: Können Sie die höhere Franchise im Krankheitsfall ohne Probleme bezahlen?
  • Informieren Sie Ihre Krankenkasse fristgerecht, wenn Sie die Franchise wechseln möchten.
  • Falls Sie Anspruch auf Prämienverbilligung haben könnten, kontaktieren Sie die zuständige EL-Stelle oder kantonale Ausgleichskasse.

Checkliste für den Entscheid

  • Erwartete Kosten festlegen
  • Prämienunterschiede vergleichen
  • Risikobereitschaft prüfen
  • Fristen für Tarifwechsel beachten
  • EL-Anspruch abklären, falls relevant

Eine wohlüberlegte Wahl der Franchise spart auf lange Sicht oft Geld, vermindert aber im Krankheitsfall die sofortige Liquidität. Prüfen Sie deshalb Ihre persönlichen Bedürfnisse und die Vertragsbedingungen Ihrer Krankenkasse sorgfältig. Rasche Fragen können Sie direkt an Ihre Kasse oder an eine unabhängige Beratungsstelle richten, insbesondere wenn Sie unsicher sind, welche Franchisestufe zu Ihrer Lebenssituation passt.

Nächste Handlungsschritte: Berechnen Sie Ihre jährlichen durchschnittlichen Gesundheitskosten, vergleichen Sie diePrämien der infrage kommenden Franchisen und entscheiden Sie innerhalb der vertraglich vorgegebenen Frist – oder kontaktieren Sie die EL-Stelle, wenn Sie Unterstützung bei Prämienverbilligung brauchen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Franchise bei der Krankenkasse?

Die Franchise ist der Jahresbetrag, den Sie bei Arztbehandlungen oder Medikamenten selbst bezahlen müssen, bevor die obligatorische Krankenpflegeversicherung Kosten übernimmt. Sie wählen in der Regel zwischen mehreren Franchise-Stufen; eine höhere Franchise senkt die Prämie, erhöht aber das finanzielle Risiko bei Krankheitsfällen.

Kann ich die Franchise während des Jahres ändern?

Ein Wechsel der Franchise ist normalerweise einmal jährlich möglich und muss der Krankenkasse rechtzeitig gemeldet werden. Ausnahmen können bei Änderung des Versicherungsstatus erfolgen. Lesen Sie die Bedingungen Ihrer Kasse oder fragen Sie bei der AHV-Zweigstelle bzw. Ihrem Versicherer nach.

Wie wirkt sich die Franchise auf die Prämien aus?

Je höher die gewählte Franchise, desto niedriger die monatliche Prämie. Die Einsparung hängt vom gewählten Tarif und Alter ab. Wer selten medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, profitiert eher von einer höheren Franchise; wer häufig behandelt wird, zahlt insgesamt oft mehr.

Bezieht sich die Franchise auf alle Gesundheitskosten?

Die Franchise gilt für Leistungen, die von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gedeckt sind, etwa Arztbehandlungen, Hospitalisationen im allgemeinen Spitalbereich und gewisse Medikamente. Nicht versicherte Leistungen, Zusatzversicherungen oder Leistungen der IV sind davon ausgeschlossen oder separat geregelt.